Historisch-genealogisches Glossar

 

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SYM

123

 

 

A [<]

A. Anna

Äalstock zwei bis drei Meter langer, ausgehöhlter Baumstamm, der zum Wassersammeln in den Boden versenkt wird

abgekommen nicht mehr existent (Hof)

Ableiben Sterben

Abserbung Marasmus, Tuberkulose

Abraitung Abrechnung

Abzehrung (Abzöhrung) Marasmus, Tuberkulose

Ackerstuaf unterer, vertiefter Rand bei Äckern (in Hängen)

aedituus Mesner

aetatis im Alter von

affinitas Schwägerschaft, Verschwägerung (Verwandtschaft durch Heirat)

Afterzins Nachzins, Entgelt für Weiterpacht oder -miete

Agnat Blutsverwandter im Mannesstamm

Agnatenlinie direkte männliche Blutslinie im Stammbaum

agricola Landwirt

Ähn → Ehn

Ahnennachbenennung Benennung und Taufe eines Kindes nach den eigenen Vorfahren (z.B. Vater/Mutter, Großvater/Großmutter, ...)

Ahnenprobe Abstammungsnachweis

Ahnentafel Abstammungsübersicht aller Eltern- und Vorelternpaare eines Probanden

Aichtl kleine → Aucht

Aiden → Eidam

aindlif elf

Allmende Gemeindebesitz, Gemeindeland

ambo beide

a me von mir

Ampel Lampe

Amplatz Verbindung aus Tierhäuten zwischen Joch und Deichsel

ancilla Magd

anderer zweiter

Anerbe alleiniger Erbe des ungeteiltes Gutes; Begriff aus der Rechtssprache, der in Tirol nicht volkstümlich ist

angeblich wie angegeben bzw. mitgeteilt

Ånnawånt Ackergrenze, Ackerrand, Teil zwichen zwei Äckern

anno im Jahr

Anweiser Rechtsvertreter einer Frau (z.B. als Witwe)

Anzschait beidseitig mit Eisen beschlagenes Holz

Ap. Apostel

apoplexia Schlaganfall

Arl einfacher, kleiner Pflug

Aucht gemeinsamer Wies- und Weideplatz (← ahd. uhta „Morgendämmerung“ ← got. uutwo; so wird Aucht als Weideplatz erklärt, auf dem das Vieh in der Nacht gehalten wurde)

Aufgebot öffentliche Bekanntmachung einer beabsichtigten Eheschließung (i. d. R. an drei Sonntagen vor der Hochzeit)

Aussteckung Abmessen und Abtrennen eines Grundstückes

AuszehrungMarasmus, Tuberkulose

 

B [<]

Ballenträger Lastenträger

Balser Balthasar

baptizatus/-a getauft

Bartlmastag 24. August (Feiertag des Hl. Bartholomäus)

Base, Basl 1. Cousine – 2. Tante – 3. weibliche Verwandte

Baumann Bauer, der im Besitz von Grund und Boden ist, dessen Eigentum jedoch der Grundherrschaft zusteht

Baurecht Recht, nach dem ein Baumann einen von der Grundherrschaft verliehenen Grund bewirtschaftet

Behuf beabsichtigtes Ergebnis, Nutzen, Zweck

beidbändig von beiden Eltern abstammend (z.B. bei Vollgeschwistern)

bemelt genannt, erwähnt

Benefiziat Geistlicher, der seinen Unterhalt vom Ertrag einer Pfründe (z. B. Schenkung) erhielt, und in der Regel ein vom Pfarrhaus unabhängiges Wohnhaus (Benefiziatenhaus) bewohnte

beriert betroffen, genannt

Beschwerden Abgaben, Pflichten

Bestandsmann (Bestandner) Pächter

Bettfetzer Bewohner von Karneid

Blasonierung fachsprachliche Beschreibung eines Wappens

Blattern Pocken

blauer Husten Keuchhusten

Blutfluss, Blutlauf Ruhr

Blutsverwandtschaft Gemeinschaft, deren einzelne Personen entweder voneinander oder gemeinsam von demselben Erzeuger abstammen

Bohrer Bewohner von Kastelruth

Brachmonat Juni ◊ Der alte deutsche Monatsname für den Juni weist darauf hin, dass in der Dreifelderwirtschaft des Mittelalters in diesem Monat die Bearbeitung der Brache begann.

Brand Nekrose (Absterben von Gewebe)

Bräune Diphtherie

Brechruhr Cholera

Brustwassersucht Wassersucht

Burgfrieden Bezirk um eine Burg

 

C [<]

Cachexia Marasmus

caupo Gastwirt

Cession Abtretung

Codex iuris canonici (1917) Zählweise: germanische Zählung = kanonische Zählung; Ehehindernis aufgrund Blutsverwandtschaft: bis 3. Grad

Codex iuris canonici (1983) Zählweise: römische Zählung (weltliches Recht); Ehehindernis aufgrund Blutsverwandtschaft: bis 4. Grad r. Z. (= 2. Grad g. Z.)

coelebs ledig

colonus Bauer (Grundpächter)

coniugatus/-a verheiratet, verehelicht

coniugum Eheleute

coniunctus/-a verheiratet, verehelicht

consanguinitas Blutsverwandtschaft

copulatus/-a verheiratet, verehelicht

Corpus iuris canonici (1215) Zählweise: germanische Zählung = kanonische Zählung (seit 11. Jh.); Ehehindernis aufgrund Blutsverwandtschaft: bis 4. Grad

Creditoren Gläubiger

cum mit

curatus Kurat

 

D [<]

Darre, Darrsucht Marasmus

defunctus/-a verstorben

denuntiatio Aufgebot

D G dei gratia (von Gottes Gnaden)

dies Tag

Dirre Darre

Dingstätte Ort einer Gerichtsversammlung

Dirchlinge Kell Kelle mit Löchern

Dispens Ausnahmebewilligung, Erlaubnis (z.B. bei vorliegenden Heiratshindernissen wie Blutsverwandtschaft oder Schwägerschaft)

dispensatus/-a dispensiert, von einem Hindernis entbunden

Dissenterie Ruhr

Dörre, DörrsuchtDarre

Dreiviertelgeschwister Geschwister, die denselben Vater haben und deren Mütter Schwestern sind

Durchlauf Ruhr

DürreDarre

 

E [<]

ecclesia Kirche ◊ ecclesia parochalis „Pfarrkirche“

Effetten Besitzungen

Ehekonsortin → Ehewirtin

Ehevogt Ehemann

Ehewirtin Ehefrau

Ehn Großvater

Eidam Schwiegersohn

Einantwortung Rechtsakt bei Übertragung des Nachlasses

einbändig von einem Elternteil abstammend (bei Halbgeschwistern)

eius sein

englische Krankheit Rachitis

Entartung Krebs

eodem (die) am gleichen Tag

eorum ihre

Erschbaum Weideplatz in der Nähe des Hauses (← ahd. espan compascuum ager = gemeinsame Weide)

Estrich Dachboden

et aliis und andere

ex aus

Expositus Pfarrer, dem ein bestimmter Teil einer Pfarrei untersteht

extrema unctio letzte Ölung, Krankensalbung

 

F [<]

faber Handwerker

faber ferrarius Schmied

faber lignarius Zimmermann, Holzarbeiter

falchet hell, gelblich

fallende Krankheit → Fallsucht

fallende Sucht → Fallsucht

Fallsucht Epilepsie

Fallübel → Fallsucht

Fassion Steuererklärung

Faulfieber Typhus

Faulwassersucht → Faulfieber

febris Fieber

Feger Bewohner von Petersberg

Ferch Schlaganfall

filius/-a Sohn, Tochter

Fleckfieber Typhus

Flussfieber Schleimhautentzündung

fol. folio (auf Blatt)

Folium Blatt in einem Kodex, d. h. eines Blocks gefalteter oder gehefteter (Pergament-)Blätter ◊ Bis ins 16. Jahrhundert hinein war es üblich, in Büchern nicht die Seiten, sondern die Blätter zu zählen und mit Blattziffern zu nummerieren. Diese Art der Bezifferung wird – im Unterschied zur Paginierung bei Seitenzählung – Foliierung genannt.

fressende Krankheit Krebs

Frigelewåmpen Bewohner von Steinegg

Fruchtfolge zeitliche Abfolge der Nutzung der Ackerfläche

Fruindschaft Verwandtschaft

Fuder Wagenladung

fundus instructus Wirtschaftswägen, Geräte, Werkzeuge ...

Futter (Fueter) Hafer

 

G [<]

-g -us

Gaden Schlafzimmer

Gallenbrechruhr Gallenruhr

Gallenruhr Cholera

Gallfieber Typhus

Galtvieh Kühe vor dem ersten Kalben, Jungrinder

Gangrän Brand

gegen Abend in Richtung Westen

gegen Mittag in Richtung Süden

gegen Mitternacht in Richtung Norden

gegen Morgen in Richtung Osten

Gehirnschlagfluss Schlaganfall

gemelli/-ae Zwillinge

Gerhab Vormund, Rechtsvertreter von Gericht

Georgi 23. April (Feiertag des Hl. Georg)

Gericht Gerichtsbezirk

Gertraudi 17. März (Feiertag der Hl. Gertraud)

Gewalthaber Bevollmächtigter

Gewanne Feldstücke aus parallel verlaufenden, streifenförmigen Parzellen

gewester früherer

Gicht, Gichter Vergicht

gloggspeisen aus Bronze bestehend

Graber Flächenmaß (577,3 m² bzw. 539,5 m²)

gradus Verwandschaftsgrad

Gråggln Bewohner von Girlan

Gregori 12. März (Feiertag des Hl. Gregor)

Griës die beiden Seiten und der obere Rand des Ackers; → Ackerstuaf

Grimmen Koliken

Gruemet zweiter Schnitt beim Gras (← mhd. gruonmat = Gras, das grün gemäht wird ← ahd. gruoen = wachsen)

Grundentlastung 1848 Aufhebung der Grundherrschaften in Tirol Dieses Rechtsverhältnis blieb hier wie überall bis zur allgemeinen Grundentlastung, die in ganz Österreich im Jahre 1849 erfolgte, bestehen. Neben dieser grundherrlichen Abhängigkeit waren alle Bauern Untertanen der Tiroler Landesfürsten und mussten diesen jährlich die Landessteuer und bei feindlichen Angriffen den Dienst in der Landwehr leisten.

Grundherr Grundeigentümer, der einen Hof gegen Abgaben an einen Bauern zur Bewirtschaftung übergibt und Herrschaft darüber ausübt

Gulden (fl) Währung und Rechnungseinheit zu 60 Kreuzern (ab 1857 zu 100 Kreuzern) ◊ Der Gulden („Fiorino d’oro“) war eine ab 1252 in Florenz geprägte Goldmünze. Er zeigte auf der Vorderseite Johannes den Täufer, Heiliger und Schutzpatron der Stadt Florenz, und auf der Rückseite die Lilie, das Florentiner Wappen. Die Münze wog 3,54 g und bestand aus fast reinem Gold.

 

H [<]

Halbscheide Hälfte

Halsbräune Diphtherie

Halsgichter Halsbräune

Handschlag Verlobung

Handzeichen Zeichen, meist in Form eines Kreuzes, das bei Schreibunkundigen an die Stelle der Unterschrift tritt

harben aus feinen Leinen

Heiligblutstag Fronleichnam (← Hochfest des Leibes und Blutes Christi)

Heiligennachbenennung Benennung und Taufe eines Kindes nach einem Heiligen, z.B. dem Tagesheiligen

Heiratsabred → Heiratstäding

Heiratstäding (Heiratstaiding) Eheversprechen mit Vertrag, Verlobung

Helena auch: Magdalena

Herzwassersucht Wassersucht

Hessen Bewohner von Deutschnofen

hic hier

hilzern aus Holz

Hinfallendes Epilepsie

Hitze Fieber

hitzige Krankheit, hitziges Fieber Typhus

hodie heute

honestus/-a ehrlich, ehrsam

hora Stunde

Hornung Februar

hospes Wirt

huius loci hiesig

Hund (Hundschinter) Bewohner von Tiers

 

I [<]

ibidem ebenda

idem das Gleiche

ignotus/-a unbekannt

illegitimus/-a unehelich

impedimentum (Ehe-)Hindernis

Implex Ahnenschwund

impudica unehrenhaft (z. B. bei Schwangerschaft vor Hochzeit)

incola Einwohner

Indian Pute, Truthahn

infans Kind

innerlicher Jammer Koliken

in partu während der Geburt

in periculo mortis in Todesgefahr

Inslet Talg, Unschlitt (← mhd. inslet = tierisches Eingeweidefett ← ahd. ingislahti = inneres Schlachtwerk)

Inwohner Bewohner ohne Bürgerrecht

irchen aus gegerbtem Leder

 

J [<]

Jakobi 25. Juli (Feiertag des Hl. Jakob)

Jauch Flächenmaß (1.803 m²)

Jenewein (Vorname) Ingenuin

juvenis Junggeselle ◊ honestus juvenis „ehrlicher Junggeselle“

 

K [<]

kalte Lunge Schleimhautentzündung

kalter Brand Brand

kalter Magen Schleimhautentzündung

Karbonade faschiertes Laibchen

Kirchpropst Kirchenrat, der sich um die finanziellen Angelegenheiten kümmert

Kirchspiel Pfarrbezirk, Seelsorgebezirk, Verwaltungssprengel einer Pfarre

Klafter 1. Längenmaß (1,89 m bzw. 2,69 m) – 2. Flächenmaß (7,216 m², ab 1768 3,597 m²)

Kleinhäusler Person bzw. Familie mit kleinem Besitz [manchmal abwertend]

Kliaber Bewohner von Völs

Kloaznstingel Bewohner von Steinegg

Klumper Tuberkulose

Kohlsackler Bewohner von Gummer

Kommunikant Gottesdienstbesucher, der die Kommunion empfängt

Kopfgicht Epilepsie

Kopialbuch Buch, das die Texte von Urkunden des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Abschriften enthält. ◊ Kopialbücher wurden in der Regel vom Urkunden-Empfänger angefertigt, um eine Beschädigung der wertvollen Originale, z.B. durch häufige Benutzung, zu vermeiden. Da nur rechtlich relevante Teile aufgenommen wurden (ähnlich den Regesten), erleichterten diese die Verwaltungsarbeit. Für die Forschung sind sie besonders interessant, weil sie oft als Ersatz für verlorengegangene Original dienen können.

Korn gängige Bezeichnung für Roggen

Krautgarten eingefriedetes Stück Land für Gemüse und dessen Setzlinge

Kranewitt Wacholderbeeren

Krautknödel Bewohner von Eggen

Kraxe auf dem Rücken getragenes Transportgerät

Krebes Krebs

Kreuzer (kr, x) Tiroler Handelsmünze im Wert von 4 Pfennigen; → Gulden

Krucken Bewohner von Aldein

Kuchlsteuer (Natural-)Steuer für die Küche des (landesfürstlichen) Grundherrn

Kurat Hilfspriester mit eigenem Seelsorgebezirk

Kuratie Gemeinschaft von Gläubigen, die „wegen besonderer Umstände noch nicht als Pfarrei errichtet ist“ (Can. 516 §1)

Kurator Vormund

 

L [<]

Lab, Labe Vorraum, Gang

Lähmfluss Schlaganfall

Lahn Mure

lanius Metzger

Lapnus Laubholz, Weideland

Lasurfarbe (Heraldik) Blau

Laudemium Abgabe an den Lehensherrn bei Besitzveränderungen

Laurenzi 10. August (Feiertag des Hl. Laurentius)

Leberverhärtung Leberzirrhose

legitimatus legitimiert ◊ per matriomonium subsequens legitimatus „durch die nachfolgende Ehe seiner Eltern legitimiertes (voreheliches Kind)“

legitimus/-a ehelich

Lehenartikel (m. L.) Zusatz bei einer Wappenverleihung, meist mit Helmkrone und Spangenhelm, die dem Empfänger das Recht der Lehensfähigkeit zusicherte ◊ Damit war dieser u. a. berechtigt, auch solche Lehen zu tragen, die an die Ritterbürtigkeit gebunden waren. Diese wiederum setzte in der Regel die Abstammung von vier adeligen Großeltern voraus. Rechtlich gesehen war dies jedoch keine Erhebung in den Adelsstand

Leilach Leintuch

Leitkauf (Leikauf) Essen und Trinken beim Abschluss eines Kaufes; später ein Draufgeld bei Vertragsabschluss

levans Zeuge, Pate („Herausheber“)

locatio perpetua Dauerpacht

loco an Stelle von

Lörget dickflüssiges Lärchenharz (← mhd. lerchin „von der Lärche stammend“)

Lungenschwindsucht, Lungensucht Tuberkulose

Lungenwassersucht Wassersucht

luteigen eigentümlich, d.h. ohne Grundherrn und damit frei von der Leistung entsprechender Abgaben

 

M [<]

M. Maria

Magdalena auch: Helena

Magen (Mogen) Mohn

Mannmahd (Flächenmaß) Tagesleistung beim Mähen

Marasmus fortschreitender Verfall der körperlichen und geistigen Kräfte (durch Alter, Krankheit oder Mangelernährung)

Mark (mk) 2 Gulden

Martini 11. November (Feiertag des Hl. Martin)

mater Mutter

Matrikel (Matrik) hier: Kirchenbuch, in dem alle Taufen, Trauungen oder Sterbefälle in einer Pfarrei bzw. einem Kirchspiel verzeichnet werden

matrimonium Ehe

matrina Patin

Matthäus auch: Matthias, Matheis

Matthias auch: Matthäus, Matheis

Melkstotz großer Eimer zum Melken

Melter Kübel

miles Soldat

Mitgift (mhd. mitegift „das Mitgegebene“) Vermögen in Form von Gütern und Hausrat, die eine Braut mit in die Ehe bringt. ◊ Die Mitgift ist eine kulturell festgelegte Form des Gabentausches anlässlich einer Heirat. Sie wird vom Vater der Braut an den Vater des Bräutigams oder direkt an das Ehepaar übergeben. Die Mitgift soll dem Ehepaar einen eigenen Haushalt ermöglichen. Falls der Ehemann stirbt, dient sie seiner Witwe zur finanziellen Absicherung.

Mistpenn großer geflochtener, ovaler Korb zum Transport von Mist

Mitten Backtrog für Brotteig

modernus derzeitiger, aktueller

molitor Müller

morbus Krankheit

Morgen → Jauch; für Auen und Wälder: 20.000 m²

mortus/-a tot, verstorben

m.p. manu propria; dient der Ergänzung einer namentlichen, aber nicht handschriftlichen Unterzeichnung, und ist dem deutschen „e.h.“ (= eigenhändig) gleichbedeutend

Muhme Tante, weibliche Verwandte in der Seitenlinie

munitus/-a versehen ◊ omnibus sacramentis munitus „mit allen Sakramenten versehen“

mutterbändig mit gemeinsamer Mutter (bei Halbgeschwistern)

 

N [<]

naturalis unehelich

natus/-a geboren ◊ pridie natus „am Vortag geboren“

Nervenschlag, Nervenschlagfluss Schlaganfall

nihil nichts

nunc nun, jetzt, derzeitig

 

O [<]

obiit starb ◊ obiit repentina morte et improvise „sie starb eines plötzlichen Todes und unvorbereitet“ (d. h. ohne Sterbesakramente)

obbemelt obengenannt

obstetrix Hebamme

olim früherer

operarius Arbeiter

Osterkommunikant Gottesdienstbesucher, der an Ostern die Kommunion empfängt

Östrich → Estrich

 

P [<]

paranymphus Brautführer

parochia Pfarrei

pater Vater

patrinus/-a Pate, Patin

Paumann → Baumann

Paurecht → Baurecht

Petschaft (n.) Stempel aus einem harten Material, der geeignet ist, ein Siegel in die Siegelmasse einzudrücken

petschieren siegeln

Pfleger von den Gerichtsherren ernannter Verwalter eines Gerichts

Pfründe 1. Einkommen aus einem Kirchenamt – 2. Platz im Spital

Pfründner Insasse eines Spitals oder Armenhauses

Pfund Berner (lb) 12 Kreuzer

piae memoriae frommen Andenkens (= verstorben)

piscator Fischer

pistor Bäcker

Plissenrutscher Bewohner von Gummer

p. m. → piae memoriae

possidiert besitzt

praesentibus in Gegenwart von

Prechl Flachsbreche

prius vorher

Protzen für verschiedene Arbeiten verwendeter Vorderteil eines Leiterwagens; z. B. zum Anhängen einer Grieg

prout pro eo ut (je nachdem)

p. t. 1. pro tempore – 2. pleni titulo (vor der Nennung einer Gruppe von Personen wird damit signalisiert, dass alle Titel der damit adressierten Personen mitgemeint sind)

pudica sittsam, jungfräulich

puella Mädchen

puer Junge, Knabe

Puerperalfieber Kindbettfieber

Püttrich tragbares Fass

 

Q [<]

Quadratklafter → Klafter

 

R [<]

Raggaun Hackmesser, Rebmesser

Rahmmelter Behälter zum Aufbewahren des Rahms

Raitbuch Rechnungsbuch

Raitung Rechnung            

Ratsch Vorrichtung, mit der man am Karfreitag (anstelle der Glocken) ein Geräusch erzeugt

R. D. Reverendus Dominus

re. reverender

Realteilung romanische Tradition, Güter unter den Erben aufzuteilen

recto Vorderseite eines Blattes

Regest Zusammenfassung des rechtsrelevanten Inhalts von Urkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

reichen darbringen, abgeben, bezahlen

Reiter Sieb zum Reinigen des Getreides

relictus/-a zurückgelassen

repente plötzlich

resolvieren entscheiden, festsetzen, beschließen, öffentlich machen und erklären

rev. reverender

reverender mit Verlaub zu sagen (abgekürzt: re., rev.)

Reverendus Dominus Ehrwürdiger Herr

Revers (n., m.) schriftliche Zusage, Verpflichtung; Gegenschein zu einer Urkunde

Rheinischer Gulden → Gulden

Richtsal Übergabevertrag; Besitzübergabe zu Lebzeiten

Rindlmaßl Gerät, das zur Bearbeitung von Baumstämmen ver-wendet wird (z.B. Dachrinnen)

R. I. P. requiescat in pace (er/sie ruhe in Frieden)

Rod Viertel

rupfen aus grobem Leinen

rusticus Bauer

 

S [<]

salva venia → reverender

salvo honore → reverender

Salzstübele Salzbehälter

sartor Schneider

Schlagfluss, Schlagsucht Schlaganfall

schlechte Krankheit Krebs

Schnur Schwiegertochter

Schwinde, Schwindsucht Marasmus, Tuberkulose

sclopetum Gewehr, Flinte

scriba Schreiber

sel. → selig

selig verstorben

senex alter Mann, Greis

sepultus/-a begraben

Serbe Abserbung

Servitut, Servitutsrecht Dienstbarkeit (z. B. eine Grundstücksbelastung)

sine ohne

Sitzgeld Jahresgebühr eines → Inwohners an die Gemeinde

Solder Balkon

Söllhaus einfache Behausung

solutus/-a ledig, unverheiratet

soror Schwester

Spankalb junges, noch säugendes Kalb

Spickel (auch Zwickel) Wappenfigur der Heraldik, die das Dreieck als Bild verwendet

sponsi Brautleute

sponsus/-a Bräutigam, Braut

Star Hohlmaß (31,7 l, auch 29,8 l)

Star Samen Ackermaß (721 m²)

Steckfluss, Stickfluss Wassersucht

Stibich Volumenmaß bzw. Behälter

Stickfrais Keuchhusten

Stickhusten Stickfrais

Stollen (Erbstollen) Gruppen von Personen, die erbt

Stotz rundes Holzgefäß

Strutzer (Gelegenheits-)Metzger, der zu Bauern ging, um ihnen beim Schlachten zu helfen

sub conditione unter der Bedingung, unter Vorbehalt ◊ In der römisch-katholischen Kirche kennzeichnet es die bedingungsweise Spendung eines Sakraments, vorwiegend eines solchen, das einen character indelebilis einprägt (Taufe, Firmung und Weihesakrament), sofern nicht mit hinreichender Sicherheit feststeht, ob eine vorherige Spendung dieses Sakramentes gültig erfolgte. Vermerkt wird es bei Früh- bzw. Fehlgeburten, wenn es fraglich ist, ob der Täufling lebt; bei vermutetem Intentionsmangel des Taufspenders oder Täuflings; bei vermutetem Intentionsmangel oder mangelnder Spendefähigkeit des Spenders der Firmung, bei Intentionsmangel des Firmlings.

Sucht Krankheit

Supplikation Bitte, Bittschrift

sutor Schuster

 

SCH [<]

Schlänggltag Tag, an dem Dienstleute ihren Dienst aufgenommen haben (meist 2. Februar)

Schmirber Bewohner von Lajen

Schuffener Bewohner von Welschnofen

Schwäher Schwiegervater

 

T [<]

Tabes Marasmus

Täding (Taiding) gerichtliche Tagsatzung, Schiedsgericht

Tafern Wirtshaus (← lat. taberna)

Tagfahrt Termin (Rechtswissenschaft)

Tagmahd Flächenmaß (2.886 m², ab 1768 1.798,5 m²)

Tagwerk Arbeitsleistung eines Tages

Taler Großsilbermünze im Wert eines Guldens

tenens Zeuge, Pate („Halter“)

Terminus ante quem Zeitpunkt, vor dem ein bestimmtes Ereignis stattgefunden haben muss

Terminus post quem Zeitpunkt, nach dem ein bestimmtes Ereignis stattgefunden haben muss

testes Zeugen

textor Weber

Trate Viehweide

Tschörgger Bewohner von Ritten

Tschunggl Strick zum Einspannen der Ochsen

Tunget Mist

 

U [<]

Udalricus Ulrich

unctio Salbung

ungarische Krankheit Ruhr

unvogtbar unmündig

Urbar Verzeichnis, in dem grundherrschaftliche Rechte festgestellt und zu erbringende Leistungen und Güter beschrieben werden

Urs. Ursula

ut supra wie oben

uxor Ehefrau

uxoratus/-a verheiratet, verehelicht

 

V [<]

Vadium Sicherstellung

venator Jäger

verer ferner, weiters

Vergicht 1. Krämpfe (bes. bei Kleinkindern) – 2. Epilepsie

Versehgang Krankensalbung (mit Beichte und Kommunion)

verso Rückseite eines Blattes

Vetter männlicher Verwandter in der Seitenlinie (Cousin, Onkel ...)

vide siehe

vidimieren beglaubigen

viduus/-a Witwer, Witwe ◊ vidua relicta „hinterbliebene Witwe“

Viktualien Lebensmittel [alte Bezeichnung]

Viktualienhändler (Berufsbezeichnung) Lebensmittelhändler

vilicus Verwalter

virgo Jungfrau ◊ pudica virgo „sittsame Jungfrau“

vogtbar mündig

Vogteifutter Gerichtsabgabe (meist in Hafer)

Vorbank Bank ohne Lehne

vulgo bekannt als

 

W [<]

Wärbl Barbara

Waschyhre Yhre

Wassersucht Ödembildung

weiland (weillende) verstorben

Weisat 1. Geschenk, das zu bestimmten Zeiten im Jahr zu reichen war; diese Abgabe war zunächst personengebunden – der unfreie Bauer hatte an vorgeschriebenen Festen seinem Leibherrn ein Geschenk zu überreichen – und ist erst später auf das Gut übergegangen und so zu einer Reallast geworden – 2. Wendung: „in Waiset gian“ (= die Mutter nach der Geburt eines Kindes besuchen) (← mhd. wisot)

Weistümer historische Rechtsquelle mit herrschaftlichen Rechtssetzungen

Wittib Witwe

Wittiber Witwer

Wun und Weid (gängige Formel für) Weideland mit entsprechendem Nutzungsrecht

Wüstung Siedlung, die aufgegeben wurde und im Laufe der Zeit verödete ◊ In Urbaren treten sie oft als leere, baufällige Häuser oder verwilderte Felder und aufgelassene Orte auf, die in den Besitz der Nachbarn übergegangen sind oder von der Grundherrschaft als Weideland verwendet wurden. Ursachen für Wüstungen, zum Beispiel im 14. und 15. Jahrhundert, waren Hungersnöte, Epidemien wie die Pest und andere Katastrophen. Urkunden, Ruinen, Flurnamen oder mündliche Überlieferungen erinnern noch daran. Namen mit Suffixen wie -eder oder -edt deuten auf eine Wüstung hin.

 

X [<]

X Abkürzung für „Christ“ in Zusammensetzungen

Xbris → 10bris

 

Y [<]

Yhre 1. (Bozner Yhre) Hohlmaß (77,81 l) 2. großer Bottich

 

Z [<]

Zapin Sapine, Säppi; spezielles Werkzeug, welches im Wald bei der Arbeit mit Baumstämmen verwendet wird (← frz. sapin = Tanne)

Zehent Kirchensteuer, die in alten Zeiten vor Einbringung der Ernte im Herbst als der zehnte Teil des Ernteertrages auf den Äckern von den Berechtigten selbst eingesammelt wurde Nach dem älteren Kirchenrecht sollte der Zehent kirchlichen Zwecken dienen, zum Bei-spiel für den Unterhalt der Geistlichen sorgen. Da die Kirchen aber ihrerseits in den Händen geistlicher oder weltlicher Grundherrn waren, gelangte auch der Zehent in deren Taschen. So wurde er, als eine Art Anlageobjekt, verkauft, verpachtet, getauscht oder vererbt, und damit von seinem ursprünglichen Zweck vollkommen entfremdet.

zehrendes Fieber Marasmus

Zehrung Essen

Zügenglöckl Sterbeglöckchen

 

SYMBOLE [<]

* 1. geboren (Person) – 2. erschlossen, rekonstruiert, nicht belegt (Wort)

*† bei Geburt gestorben

†* tot geboren

gestorben

: . (Abkürzungspunkt)

|: öffnende Klammer

:| schließende Klammer

 

ZAHLEN [<]

30. Garbe dritter Teil des Zehents

7bris September

8bris Oktober

9bris November

10bris (Xbris) Dezember

 

Das hier zusammengestellte Glossar bezieht sich terminologisch in besonderer Weise auf das historische Tirol und die in diesem geographischen Bereich ausgestellten Dokumente, Urkunden und Schriftstücke. Im Besonderen gilt dies für Angaben zu Maß- und Währungseinheiten.

 

Quellen (Auswahl)

§  ARENS, Franz: Das Tiroler Volk in seinen Weistümern. Ein Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte. Gotha: Friedrich Andreas Perthes Aktiengesellschaft, 1904

§  AYMANS, Winfried; FLATTEN, Heinrich; KAISER, Matthäus u.a.: Codex des Kanonischen Rechts. Lateinisch-deutsche Ausgabe. Kevelaer: Verlag Butzon & Bercker, 1984

§  BEIMROHR, Wilfried: Alte Flächenmaße in Tirol und Vorarlberg. Innsbruck: Tiroler Landesarchiv, 2002

§  FINSTERWALDER, Karl: Tiroler Familiennamenkunde. Sprach- und Kulturgeschichte von Personen-, Familien- und Hofnamen. Mit einem Namenlexikon. Schlern-Schriften 284. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1994

§  GRIMM, Jacob; GRIMM, Wilhelm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig: Verlag S. Hirzel, 1854-1961

§  HABEL, Edwin; GRÖBEL, Friedrich: Mittellateinisches Glossar. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh, 2008

§  KRÜNITZ, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft. 1773-1858. [http://www.kruenitz1.uni-trier.de]

§  LEXER, Matthias: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Mit den Nachträgen von Ulrich Pretzel. 38. Auflage. Stuttgart: S. Hirzel Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1992

§  METZKE, Hermann: Lexikon der historischen Krankheitsbezeichnungen. Neustadt: Verlag Degener & Co., 2005

§  MOSER, Heinz; RIZZOLLI, Helmut; TURSKY, Heinz: Tiroler Münzbuch. Die Geschichte des Geldes aus den Prägestätten des alttirolischen Raumes. Innsbruck: Haymon Verlag, 1984

§  ROTTLEUTHNER, Wilhelm: Die alten Localmaße und Gewichte nebst den Aichungsvorschriften bis zur Einführung des met-rischen Maß- und Gewichtssystems und der Staatsaichämter in Tirol und Vorarlberg. Innsbruck: Verlag der Wagner‘schen Universitäts-Buchhandlung, 1883

§  ROTTLEUTHNER, Wilhelm: Die Flächenmaße in Tirol und Vorarlberg. In: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg 36. Innsbruck: Selbstverlag des Ferdinandeums, 1892, Seite 401-439

§  SCHATZ, Josef: Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Schlern-Schriften 120. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1956. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1993

§  SCHÖPF, Johann Baptist: Tirolisches Idiotikon. Nach dessen Tode vollendet von Anton J. Hofer. Vaduz/Liechtenstein: Sändig Reprint Verlag, 1985

§  STOWASSER Joseph Maria; PETSCHENIG Michael; SKUTSCH, Franz: Stowasser – Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch. Wien: Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, 1998

§  WOPFNER, Hermann: Bergbauernbuch. 1. Band: Siedlungs- und Bevölkerungsgeschichte. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1995

§  WOPFNER, Hermann: Bergbauernbuch. 2. Band: Bäuerliche Kultur und Gemeinwesen. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1995

§  WOPFNER, Hermann: Bergbauernbuch. 3. Band: Wirtschaftliches Leben. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1997

 

Ergänzungen und Hinweise: hier

 

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