Wechselvolle Zeilen
Die Aussicht ist wunderschön, das Wetter erfreulich
warm, manchmal lau, die Menschen freundlich, zuvorkommend, fast schon angenehm
aufdringlich, auch im rechten Maße anhänglich; die Küste beeindruckt durch ihre
Formen, Felsen und zerklüftete Steine, die in ihrer Einzigartigkeit ein
Universum minimaler Strukturen sichtbar machen, eine Welt, in der das Bizarre
und Gebrochene vorherrscht, das Fraktale unendlicher
Wiederholungen, immer und immer wieder, ohne Unterlass dasselbe, das Wasser ist
himmelblau und stets glasklar – nur ein Traum kann solche Wirklichkeiten
erschaffen; ein Traum, der zu keinem Ende kommen darf, noch nicht einmal auf
diese Weise. Venedig sehen und sterben, so heißt es; oder doch nicht? Dieser Ort
hier scheint paradiesisch, arkadisch, geradezu atlantisch. Nur eine Frage
schwebt über der Oberfläche, die wir Leben nennen. Wo bist du? Lass mich in
dieser großartigen Einsamkeit nicht allein. Stecke deine Hand ins Herz und
schreibe mir so bald wie möglich!
Die Vorgesetzten nerven, Termine pressen auf die
innere Uhr, erhöhen den Druck fortwährend und exponentiell, manchmal sogar mehr
als man aushalten will, von können gar nicht gesprochen, Akten und nochmals
Akten, meterhoch auch ohne Maßband offensichtlich, tausende Blätter, Formulare,
Bögen, Listen, Vordrucke und Scheine überall, immer weiß und immer schwarz, nur
sehr selten farbig, manchmal sogar zerfranst, geordnet, oft auch nicht, was dem
inneren Taktgeber nur noch mehr ungewollten Schwung verleiht; die Arbeit
bestimmt den Tag und verdrängt die Nacht, sie lässt keinen Gedanken frei und
lose schweben, nicht in Venedig, nirgendwo, auch nicht in Eden; der nächste
Auftrag wartet bereits seit Stunden, zu viele Menschen in der Umgebung,
lärmend, lachend, trinkend, auch hier wenig Veränderung. Ich wundere mich über
deine Einsamkeit. Lass mich in diesem unartigen Albtraum nicht allein. Stecke
deine Gedanken in ein Kuvert und sende sie mir so bald wie möglich!
Hallo alle zusammen in der Heimat! Schon am Morgen ist
das Wasser hier angenehm warm, so macht das Baden einfach mehr Spaß. Tauchen
und Schnorcheln ist übrigens ein besonderes Erlebnis, die Vielfalt an Fischen
und Korallen ist einmalig und kann sich mit keinem anderen Ort auf der Welt
messen, das sagen hier zumindest die Einheimischen und wir glauben ihnen. Das
Buffet im Hotel lässt keine Wünsche offen, was sich leider auch schon ein wenig
am Gewicht bemerkbar macht. Zum Glück gibt es zahlreiche Sport- und
Freizeitmöglichkeiten, so ist auch für Unterhaltung stets gesorgt. Viel Platz
ist leider nicht mehr auf der Karte, weshalb ich auch schon zum Ende kommen
muss. Hoffentlich sehen wir uns bald, es gibt viel zu erzählen. Liebe Grüße aus
dem Süden.
Die Arbeit steht eindeutig im Vordergrund, ansonsten
wäre die Reise wohl kaum bezahlt worden, recht viel Zeit, Land und Leute kennen
zu lernen, bleibt leider nicht, dafür sind die Termine zu eng gesetzt und ist
die Planung zu detailliert; das Arbeitspensum ist enorm, wenn man bedenkt, was
in den vier Tagen alles geschehen und umgesetzt werden muss. Zumindest vom
schrägen Nachtleben bekommen wir etwas mit, wenn es auch herzlich wenig ist,
doch die örtliche Gastronomie entschädigt für den hohen Arbeitsaufwand auf ihre
ganz spezielle Weise. Wäre nicht einer der vielen Termine um eine halbe Stunde
verschoben worden, wäre nicht einmal Zeit genug übrig, um diese Karte zu
schreiben; die überraschende Pause nimmt auch schon ihr Ende. Gestresste Grüße
aus dem Westen.
hi! wetter is ok.
essen auch. turis nerven zwar aber man kann nix
dagegen machen gehören ja selbs dazu *grins* zwei wochen sind fast zu viel an diesem ort wenig los ab 3 uhr tote hose freun
uns auf zuhause *nixnixnix* glg
und bis bald
hallihallo!!! bin
auf weg zur arb :( habe gerade am dic
gedacht (hehe) u wollte dich fragn war du heute abend machst runde freien???
viell. mehr :) lg xxx
schreib zurück ja
Schreiben? Briefe schreiben? Briefe wechseln?! Es
gibt schon lange keine Briefe mehr. Die Aussicht ist trübe.
© 2008 by Christian Zelger