Sketch
zum Pädagogischen Tag 2015 am Realgymnasium „Albert Einstein“ Meran
Aufgeführt am 7. Oktober 2015 von Christian Zelger und Simon Schwarz
Die
beiden Sekretärinnen Agnes und Susanne kommen am Morgen ins Foyer und ziehen
ihre Kennkarte durch die digitale Stechuhr. Dabei treffen sie aufeinander. Ein
neuer Schultag beginnt.
Agnes: Guatn Morgn, Susanne!
Susanne: Guatn
Morgn, Agnes!
Agnes: Schaugmr amål wia viel mir heint zu tian kriagn?
Susanne: Wieso?
Agnes: Woasch, die
Lehrer håmm heint in
Pädagogischen Tog.
Susanne: Wås
tiansin zemm?
Agnes: I moan, de
lernen wia man unterrichtet.
Susanne: Kennen sie sell nitt schun?
Agnes: (aufklärend) Na, na, nitt ålle. Onscheinend
sein die Philosophie/Geschichte-Lehrer die schlimmschtn.
Susanne: Schun?
Agnes: Jå, wås man so heart. Dabei: Der
Schwarz måcht mir eigentlich an guatn
Eindruck.
Susanne: Jå,
und der Zelger isch woll a nitt übel, oder?
Agnes: Du, Susanne, i glab,
des taischt. Des taischt!
Des sein hahle Burschn.
Susanne: Und a so a Tog hilft dånn?
Agnes: Sogn tian sie’s.
Susanne: Wer sågg
sell?
Agnes: I glab s Schualåmt.
Susanne: Um wås
geahts denn haint?
Agnes: Ma, dr
Direkter håt mr schun an E-Mail gschriebn. I hånn woll versuacht,
es zu verschtian, obr wohrscheinlich hatt i mehr verschtondn, wenn er mrs auf
Englisch gschriebn hatt. Do
schtian so Såchn drin wia „Mehrdimensionalität des Kompetenzkonstrukts“.
Susanne: Mehrdimensionalität des
Kompetenz-wås? (zuckt mit den Achseln) I hån über 20 Johr pa an Metzger gårbetet. Also, Wurscht,
Aufschnitt, Speck ... sell hoaßt
eppes, ober des hoaßt, glab i, gor nix.
Agnes: Na, i glab a nitt.
Susanne: Wås
tianen iaz die Lehrer pa den Pädagogischen Tog?
Agnes: Ma, zerscht sitzn sie in Mehrzwecksool und horchn in zwoa Lehrer zua, de versuachn luschtig zu sein.
Susanne: (lacht) Du, Agnes, wår des iaz nitt
selbstreferentiell?
Agnes: Jå, eigentlich
schun, ober, woasch, mir im
Sekretariat verwendn sette gschwollene Wörter normalerweise nitt.
Susanne: Jå,
obr a die meischtn Lehrer soogn jo a nitt
so Såchn wia „lernfeldübergreifende
Curriculumsrezeption“.
Agnes: Na, i glab,
de unterrichtn oanfåch.
Susanne: (ganz überrascht) Wia? Geaht sell
überhaupt no?
Agnes: Jå, wia du sigsch!
Susanne: Jå,
eh! Mir derweern ins pa die
Einschreibungen jå kaum fa
die Schialer. Also, ålles fålsch måchn kennen de nitt.
Agnes: Na, eh nitt!
(kurze Pause, dann belehrend) Außer die Philosophie/Geschichte-Lehrer!
Susanne: Und trotzdem sitzn de heint in gånzn Toog do?
Agnes: Na, na, lei
in hålbn. Woasch, inser Direkter isch hålt humaner als die meischtn åndern.
Susanne: Heiliger Franz Josef, sell schtimmt! (kurze Pause)
Obr in gånzn Vormittag, sell isch a no
a långe Zeit. Wås seinen
für Themen?
Agnes: Af dr Togesordnung schteat eppes fa Inklusion, glab
i.
Susanne: (neugierig)
Inklusion? Isch sell eppes guats? Weil: Mein Månn håt mir amåll
an Diamantring gschenkt. Und dånn bin i draufkemmen, dass der Schtoan an Inklusion
hått. Du, i sog drs, zemm wors Fuier
in Dåch!
Agnes: Ach, in der Schual
laafn die Såchn schun öfter åndersch als im
richtigen Leben.
Susanne: Wenn’s Schualåmt
davon überzeugt isch, dånn werd des schun seine Richtigkeit hobn.
Agnes: Ah jå, zemm sein jå die beschtn Leit.
Susanne: Und isch
sell dånn olls?
Agnes: Na, na, na, s groaße Thema heint isch Cloud.
Susanne: Cloud?
Agnes: Jo, i hear vom
Direkter lei mehr Cloud, Cloud, Cloud. Zerscht hån i gmoant,
er redet von der Claudia, obr, na, sell wor’s nitt.
Dånn hånn i gmoant, er håt a nuie Freindin, de Cloud hoaßt, weil s in gånzn Tog lei hoaßt,
Cloud do, Cloud zemm, i muaß
eppes für die Cloud tippn. Obr do bin i a wieder fålsch gleegn.
Susanne: (neugierig) Jo, und
wer isch des dånn? Soog schun!
Agnes: (aufklärend) Na, des isch niamand, des isch eppes pan
Computer. (belehrend) Do ändert sich iaz goor ålls.
Susanne: Goor
ålls? Wirklich? Isch sell nit a bissl
viel?
Agnes: Onscheinend nitt.
Susanne: Jå,
wås ändertn sich zum
Beispiel?
Agnes: Stått dass einige
Fåchgruppn ihre Protokolle nitt
aufn Server speichern, speichern sie sie iaz nitt in der Cloud.
Susanne: Ah, so?
Agnes: (nicht ganz überzeugt) Jo, es hoaßt, des isch die Zukunft.
Susanne: Sell håt
man pa dr Atomkråft a gsogg!
Agnes: Des kånn
man obr onscheinend a fürn Unterricht brauchn.
Susanne: (ungläubig) Für ålle Fächer?
Agnes: (vorsichtig) Jå!
Susanne: Also, a Wunder. (verstehend)
Ah, deswegn isch des ålls in die Wolkn obn.
Agnes: Ah, und vielleicht will man deswegn ålle Fåcher
in oan Topf werfn.
Susanne: Håtts
huier in Bozen pa dr Großtogung nitt
ghoaßn „Individualität garantiert Zukunft“?
Agnes: Jå, und hått die Frau Professor Schenk nitt
in der Zeitung gsogg: „Es gibb
koan pädagogisches Patentrezept“?
Susanne: (mit erhobenem Zeigefinger)
Genau. Und niamand unterrichtet so begeischtert, so lång und so
erfolgreich wia sie!
Agnes: Sell kånsch
laut sogn!
Susanne: Also, Agnes, mi überzeugt
de gånze Gschicht nitt.
Agnes: (ironisch) Derfir kennen mr iaz ålle Probleme lösn – de mr vorher gor nitt ghopp hobm.
Susanne: Agnes, kimm,
iaz låssmrs.
Agnes: Jo, bevor no
a Rundschreibm von Schualåmt
kimp.
Die beiden Sekretärinnen
gehen zu ihrem Arbeitsplatz.
(C) 2015 by Christian Zelger