Die unfassbare Melodie

Roman

 

Als sich der französische Komponist Cadémis Barraqué eines Tages an sein Klavier setzt und es ihm unmöglich ist, eine neue Melodie zu schaffen, beginnt für ihn die schlimmste Zeit seines Lebens. Obwohl er ein einfaches, stilles Leben dem Ruhm und dem Rampenlicht stets vorgezogen und er auch finanziell bis an sein Lebensende ausgesorgt hat, treibt ihn seine Unfähigkeit fast zum Wahnsinn. Barraqué ist nicht nur ein emotionsgeleiteter Musiker sondern auch ein rational denkender Kopfmensch, der seinem Problem und vor allem den Ursachen auf den Grund gehen möchte. Auf seinem Weg trifft er unter anderem auf den seltsamen Philosophen Pylône, der ihm mit einem Eifer hilft, als würde er sich damit selbst retten, und auf den zwielichtigen Wissenschaftler Serge, bei dem man nie weiß, ob seine Hilfe letzten Endes nicht doch nur eine Illusion ist.

 

Während Barraqué mit der verloren gegangenen Kreativität zu kämpfen hat, gibt es auf der anderen Seite des Kunstbetriebes den Chefredakteur François Demougin, der mit seiner Zeitung einen gnadenlosen Kampf gegen die modernen, selbsternannten Künstler führt und dabei nicht nur in den Sumpf von Politik, Wirtschaft und Kunst gerät, sondern auf seinem Weg zur Wahrheit auch einen Skandal neben dem anderen aufdeckt. Dass er dabei genauso radikal seine Vorstellungen verfolgt, wie die ihm so verhassten „Künstler“, macht ihn oft ebenso blind.

 

Einziges Verbindungsglied zwischen den beiden Welten – Kunst und Kunstkritik – ist die engelsgleiche Kulturjournalistin Aleksandra De Marivaux, die einerseits aus Überzeugung für Demougins Kulturblatt arbeitet, sich andererseits jedoch nicht der Faszination des an seinen Idealen festhaltenden und deshalb leidenden Musikers Cadémis Barraqué entziehen kann.

 

Die unfassbare Melodie zeigt ein Bild des ausgehenden 2. Jahrtausends zwischen Hektik, Sucht zur Verwandlung und Veränderung und einem falsch verstandenen Kunstbegriff. Zynische Einschübe fehlen dabei ebenso wenig, wie Anspielungen auf real vorgefallene Situationen und Künstler. Dass der Roman letzten Endes zu einem einfachen, fast voraussehbaren Schluss kommt, zeigt nur wieder, dass er ein Abbild unserer heutigen Welt ist – Erlösung auf der einen, Enttäuschung auf der anderen Seite.

 

KAPITELÜBERSICHT

1. „Wäre das Wahre nur neu, wäre das Neue nur wahr.“ (Jerome Henri Vitry)

2. „Der angeborenen Farbe der Entschließung wird der Gedanken Blässe angekränkelt.“ (Waubert Sauvage)

3. „Nicht so redlich, wäre redlicher.“ (Guillaume Émile Lemaire)

4. „Wer tiefer denkt, weiß, dass er immer unrecht hat, er mag handeln und urteilen, wie er will.“ (Fernand Nedoux)

5. „Je größer das Kunstwerk, desto weniger Zufall darf darin sein.“ (Oscare Wateau)

6. „Das Geld verhüllt das Echte.“ (George Kolette)

7. „Je mehr er hat, je mehr er will.“ (Julien Marie Michaux)

8. „Wer die Menschen ruinieren will, braucht ihnen nur alles zu erlauben.“ (Nicolas Bernanos)

9. „Vieles reimt sich wieder, was uns vor ein paar Jahren wie ein Versprecher vorkam.“ (Martin Karois)

10. „Lass dich die Macht der Gewohnheit nicht auf falsche Wege drängen.“ (Pierre)

11. „Aber das Wesen der Menschen ist unbeständig.“ (Roland Sagan)

12. „"Ich habe so viel und ohne sie wird mir alles zu Nichts.“ (Joseph W. Gatellier)

13. „Wir leben nur, um Schönheit zu entdecken. Alles andere ist eine Art des Wartens.“ (Klaude Gouin)

 

(C) 1999 by Christian Zelger