Destino romanesco

Roman

 

Destino romanesco erzählt die Geschichte des Schriftstellers und Journalisten Cipriano Theroux, der – beruflich ständig umgeben von Buchstaben und Wörtern – eines Tages erkennt, dass ihm diese weder Antworten liefern noch sein Leid zu lindern vermögen. Von da an wird jedes private wie berufliche Problem zu einer Flucht in die Welt des Numerischen und sein Leben zu einem andauernden Kampf zwischen Buchstaben und Zahlen, der schließlich in der Idee gipfelt, in einer Symbiose der beiden Bereiche das vollkommene Buch zu schaffen.

 

Der erste Teil („Zerbrechende Welten“) beschreibt die Umgebung Ciprianos und die Welt, in der er lebt, die als Super-Ego über ihm steht, und aus der er nicht aus­brechen kann. Schnell erkennt er, dass das Leben zu Beginn des 3. Jahrtausends mehr denn je vom Quantitativen beherrscht wird, was er – trotz seiner Liebe zu den Zahlen – in seinen Texten immer wieder anprangert und damit letzten Endes gerade deshalb auf Unverständnis bei seinen Mitmenschen stößt. Mit seiner Theorie, dass sich die Menschen durch die weltweite Vernetzung, deren Substanz in der Tiefe ebenfalls numerisch ist, immer weiter von einander entfernen, scheitert er genauso wie mit seiner zunächst hoffnungsvollen und romantischen Liebe zu Celia. Es bleibt für ihn – tagträumend – lediglich die Flucht in ein Traumreich.

 

Der zweite Teil („Tridecamerone“) ist ein Blick in das Innerste des (Anti-)Helden und besteht aus einer Sammlung von dreizehn Tagträumen, in denen sich die Welten der Buchstaben und Zahlen zu einem dadaistischen Amalgam vermengen. Begleitet wird er – der Zahlenspieler – auf dieser surrealen Reise einerseits von Jay, hinter dem sich niemand anders verbirgt als der von ihm immer noch verehrte Meister der Wörter James Joyce, und andererseits von Nil, in dem Numerisches und Verbales zu einem leidenschaftslosen Nichts zerfließen. Der Text ist hier nach innen und außen vernetzt und verknotet und wird zu einem Abbild des Un-Bewusst­seins­stroms unserer digi­talen Welt. Auch wenn sich zeigt, dass Cipriano in diesen Träumen seine Vorstellung des vollkommenen Buches noch am ehesten verwirklichen kann, bleibt die Beklemmung, die reale Welt noch immer nicht zu ertragen.

 

Im dritten Teil („Fegefeuer der Bedeutungslosigkeit“) schließlich gibt sich Cipriano Theroux selbst als bisheriger Erzähler zu erkennen und versucht außerhalb seiner Traumwelt zu bestehen. Er erkennt, dass das Wort noch immer seine stärkste Waffe ist, dass aber in einem Universum, das sich in einem fortwährenden Kreislauf be­fin­det, die Zeit, in der die Macht des Wortes erneut bedeutungsvoll sein wird, erst wie­der kommen muss. Die Versöhnung der Welt der Buchstaben mit jener der Zah­len endet in der Selbsterkenntnis und Läuterung Ciprianos, der damit wie sein Namens­patron, der Hl. Cyprianus von Antiochia, seine ursprüngliche Überzeugung verwirft – und damit glück­licher wird.

 

© 2004 by Christian Zelger